Bericht aus dem Bistumsblatt " Paulinus" im Jahr 2002



Die Staatssicherheit ausgetrickst

Die Bopparder Gemeinde St. Severus pflegt seit 25 Jahren eine
Partnerschaft mit Erfurt

Von Hermann-Josef Ludwig

Die Bopparder Pfarrgemeinde musste zunächst die Stasi austricksen,
um vor 25 Jahren die Weichen für die Partnerschaft mit einer Erfurter
Gemeinde zu legen.

Alles fing an mit einer Sonderfahrt der Bahn nach Erfurt. Im Gefolge
der Ostverträge war es nämlich 1977 möglich gewesen, dass Westdeutsche
zu einer Kurztour in die Blumenstadt Erfurt reisten. Der damalige Pastor
von Boppard, Josef Krämer, wollte schon immer die Severikirche besuchen
und über die Krämerbrücke spazieren. Bei diesem sehr reglementierten
Besuch in Erfurt gelang es ihm, auch ganz kurz Kontakt mit dem Pfarrer
von St. Severi aufzunehmen. Pfarrer Franz-Josef Wokittel lud die Bopparder
zur 700-Jahr-Feier der Severikirche für das kommende Jahr ein.

Findig Hindernisse auf dem Weg nach Erfurt umgangen

1978 reiste dann eine Gruppe von Boppardern nach Erfurt, um dort an dem
Festhochamt zum Jubiläum teilzunehmen – was dank der damaligen
Aktivitäten der Staatssicherheit fast nicht zustande kam. Denn einen Tag
vor dem Fest waren angeblich auf einmal alle Hotelbetten in Erfurt belegt
und man wollte die Gruppe zwingen, in Eisenach zu bleiben. Doch die Findigkeit
und der Durchsetzungswille der Bopparder führte dazu, dass man trotzdem
fünf Minuten vor Messbeginn auf dem Domberg von Erfurt ankam.

Aus Anlass des 25-jährigen Bestehens der Partnerschaft zwischen den beiden
Severuspfarreien in Boppard und Erfurt weilte vom 15. bis 17. November eine
Abordnung des Pfarrgemeinde- und des Verwaltungsrats aus der thüringischen
Bistumsstadt in Boppard. Die Pfarrgemeinde St. Severus hatte am 15. November
alle zu einer Feierstunde eingeladen, die in irgendeiner Weise zum Entstehen dieser
Freundschaft beigetragen haben. Der frühere Pastor von Boppard, Josef Krämer,
erzählte zusammen mit Pfarrer Wokittel von Erfurt, wie sich trotz zahlloser Störmanöver
durch die DDR-Behörden vor der Wende die Beziehungen entwickelt haben. Bis zur
Wende war es vor allem eine „Einbahn“-Beziehung, aber danach gab es vielfältige
Begegnungen in Boppard und in Erfurt. Kindergruppen kamen an den Rhein, der
Instrumentralkreis und die Singgruppe gaben in Severi, Erfurt, ein Benefizkonzert,
Freundschaften sind zwischen einzelnen Familien gewachsen und haben bis heute Bestand.



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